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Knysna Township Tour mit Emzini Tours

21 Jan 2015

Ich war zuerst sehr skeptisch, als der Vorschlag kam, ich könne doch die Township Tour mitmachen – nicht weil ich Angst vor den Townships gehabt hätte, sondern einfach aus dem Grund, dass es mir merkwürdig oder sogar nicht richtig erschien, in einem Kleinbus so richtig touri-like durch die Straßen zu fahren, mir die Menschen und ihre Häuser dort wie in einem Zoo anzusehen und Fotos zu machen. Doch ich ließ mich schließlich darauf ein, da ich nur positives gehört hatte – sowohl von den Bamboo-Leuten als auch von Gästen, die die Tour mitgemacht hatten und hellauf begeistert waren!

Um kurz vor 14 Uhr ging’s dann los zum Treffpunkt, von dem aus der Bus in Richtung Township starten würde. Ich teilte mir den Bus mit einer englischen Familie, sodass wir eine Gruppe von fünf Leuten waren. Das gab der Tour von Anfang an einen persönlichen und familiären Touch und ich fühlte mich doch nicht so sehr wie ein Touri im Reisebus. Ella, die selbst im Township lebt, und Penny, die zusammen mit Ella die Emzini Township Touren anbietet, erzählten die ganze Fahrt über alles, was man über die Townships in Südafrika wissen sollte und beantworteten natürlich auch bereitwillig alle Fragen. Ella erzählte, dass die Menschen in den Townships die Touren begrüßen, da sie froh sind, dass sich Außenstehende für sie und ihre Situation interessieren und dann vielleicht helfen können. Besonders beliebt war der Bus die gesamte Fahrt über bei den Kindern, die uns über den Weg liefen und genau wussten, dass Ella und Penny auf jeder Tour „sweets“ dabei haben Und auch für die vielen Hunde lohnte es sich, den Bus aufzusuchen und Futter zu ergattern.

Das Township in Knysna, das wir besuchten, hat ca. 20 000 Einwohner (so viel wie meine Heimatstadt Eutin in Deutschland!) und ich war sehr überrascht, als Ella kurz darauf hinzufügte, dass die meisten Townships wesentlich größer seien und mehr als fünfmal so viele Menschen beherbergen! Das Bild, das ich vorher bei dem Begriff „Township“ im Kopf hatte (kleines Armenviertel am Stadtrand mit Holz- und Blechhütten und viel Kriminalität), wurde erst recht zunichte gemacht, als ich erfuhr, dass es drei Schulen, Clubs, verschiedene kleine Supermärkte und bald auch ein Krankenhaus gibt. Ein Großteil der Häuser ist mit Strom und Wasser versorgt und es werden gerade neue Häuser gebaut, die zwar klein sind, aber zumindest von außen sehr gut aussehen, aber natürlich sind wir auch an mehr als genug kleiner Holzhütten ohne Strom und Wasser vorbeigefahren. Da wird einem erst bewusst, wie verwöhnt man eigentlich von dem Luxus zuhause ist! Trotz der nicht allzu guten Situation in der sich die Menschen dort befinden, spürte man quasi aus allen Richtungen die positive Lebenseinstellung und die Fröhlichkeit mit der einem alle entgegenkamen. Auch als Ella ihre eigene Geschichte erzählte wurde diese Überzeugung, niemals aufzugeben und den Mut und die Energie zu finden, selbst aus der misslichsten Lage wieder herauszukommen und weiterzumachen, deutlich. Bei Ella zuhause wurden wir sehr herzlich mit Kaffee, Tee und Keksen empfangen lernten ihre Kinder und Pflegekinder kennen. Wir durften trommeln und Ella und all die Kinder um sie herum sangen Lieder in Xhosa und Englisch und sie hat sogar versucht, uns ein bisschen Xhosa beizubringen. Aber selbst mit Floskeln wie „Hallo, wie geht’s dir?“ waren wir hoffnungslos überfordert – von den Klick-Lauten ganz zu schweigen :-D! Die Kinder in den Townships wachsen mit drei Sprachen auf, was ich besonders schön finde. Einige sprechen Xhosa und einige Afrikaans und so bringen sich die Kinder gegenseitig beide Sprachen bei. Außerdem wird natürlich Englisch in der Schule gelernt.

Irgendwann kurz vor 17 Uhr war die Tour dann zu Ende und ich wurde wieder am Bamboo, the Guest House Knysna abgesetzt. Penny schickte mir dann am nächsten Tag gleich ein paar Fotos per Mail zu, die sie gemacht hatte. An dieser Stelle noch einmal thanks to Penny and Ella for the gorgeous tour!